Weniger Kontakte, mehr Verbindung

Menschen, die mir nahestehen, verändern sich. Und ich mich auch. Manchmal hat man das Gefühl, es passiert gleichzeitig, manchmal entgegengesetzt. Wenn man einander liebt, schaut man anders auf diese Veränderung. Oder versucht es zumindest.

Was mir auffällt: In Beziehungen - sei es zu Freundinnen, Partnerinnen, Familie - gibt es immer zwei Ebenen. Das, was man sieht. Und das, was man deutet. "Warum macht sie das jetzt?“ ist oft nicht wirklich eine Frage, sondern schon die erste Interpretation. Und diese Interpretation ist selten objektiv.

Es ist okay, wenn nicht jede Freundschaft gleich tief ist. Ich habe irgendwann aufgehört, mich dafür zu rechtfertigen, wenn ich bei manchen Kontakten gespürt habe, dass es nicht mehr passt. Man wächst auseinander: ein viel bemühter Satz, aber er stimmt halt einfach. Und das hat nichts mit Stolz zu tun, sondern mit Respekt. Auch vor sich selbst.

Ich habe mal gelesen, man solle seinen Freundeskreis entrümpeln wie eine Wohnung. Drei Kategorien: bleibt, kommt weg, kommt vielleicht nochmal. Zynisch gedacht. Aber irgendwie auch erleichternd.

Und ja – es gibt Dinge, die nur ich "komisch“ finde, und die mich trotzdem stören. Und Dinge, die nur ich brauche. In Paarbeziehungen besonders. Ich glaube, eine Beziehung ist dann stabil, wenn man nicht dauernd alles erklären muss. Wenn Eigenheiten einfach mitgedacht werden; nicht als Fehler, sondern als Teil des Ganzen.

Vielleicht ist es das, was Nähe eigentlich bedeutet: verstanden zu werden, ohne dauernd verstanden werden zu müssen.