Weniger Erinnerung, mehr Gegenwart
Manches bleibt. Nicht, weil es schön war, sondern weil es sich eingebrannt hat. Ein Satz, der noch tief sitzt. Ein Blick, der nicht vergessen ist. Eine Erfahrung, die mehr genommen als gegeben hat.
Wir tragen solche Dinge mit uns herum. Oft viel zu lange.
Und manchmal merken wir erst spät, dass wir noch immer durch sie hindurchsehen, wenn wir uns selbst im Spiegel betrachten. Oder andere.
Es gibt Erlebnisse, die prägen; nicht nur das Bild, das wir von uns selbst haben, sondern auch, wie nahe wir andere an uns heranlassen. Was wir zu geben bereit sind. Und was wir zurückhalten.
Zu verzeihen heißt nicht, gutzuheißen. Und auch nicht, alles zu vergessen. Aber manchmal ist es ein stiller, innerer Schritt, um sich selbst loszulassen, aus dem Griff vergangener Dinge. Eltern. Kindheit. Geschichten, die nicht mehr weitererzählt werden müssen.
Es ist nicht immer einfach. Aber es ist möglich, sich die eigene Geschichte nicht mehr ständig vorlesen zu lassen.
Sich nicht mehr über das zu definieren, was war, sondern über das, was man heute wählt.
Am Ende des Tages ist sich jeder selbst am nächsten. Und das ist kein Mangel an Mitgefühl. Es ist der erste Schritt zu echter Nähe.