TV: My Name is Earl
Eine Serie mit einem simplen Konzept: Ein Mann führt eine Liste mit allen schlechten Dingen, die er je getan hat, und versucht sie wiedergutzumachen. Nicht aus religiösem Antrieb, sondern weil er einfach merkt, dass es "so" nicht mehr weitergehen kann. Er will Verantwortung übernehmen. Klingt ein bisschen bedeutungsschwanger, doch der Umstand, dass es um eine Gruppe lower-income Freunde/Bekannte geht, lässt die Serie eine Comedy sein, weniger hartes Drama.
Ich habe My Name Is Earl damals gesehen, als sie rauskam, und jetzt, fast zwanzig Jahre später, wieder. Und es ist seltsam: die Serie ist die gleiche, aber ich bin ein anderer. Was früher wie eine schräge Komödie über einen Loser wirkte, fühlt sich heute an wie eine ruhige Meditation über Veränderung. Natürlich bleibt sie überdreht, überzeichnet, amerikanisch. Aber dazwischen blitzt etwas Echtes auf.




Ich denke an Menschen, die nicht mehr in meinem Leben sind. Teilweise Freunde, Familie. Und ich denke an mich, von früher. Damals war ich zB überzeugt, dass meine Eltern mir etwas schuldig wären. Heute sehe ich: diese Haltung hat mich festgehalten. Ich hätte früher lernen können mich zu lösen, Dinge loszulassen; nicht, um zu vergessen, sondern um freier zu werden. Es hätte mein Leben leichter gemacht, klarer.
Und ich habe verstanden, dass Verantwortung kein Gewicht ist, das man tragen muss, sondern ein Spielraum, in dem man handeln kann. Der Moment, in dem man aufhört zu glauben, dass einem "etwas passiert", passiv, und anfängt zu entscheiden, was man selbst beiträgt.
Vielleicht hat mich die Serie deshalb erneut berührt. Weil sie daran erinnert, dass es nie um Perfektion geht. Sondern ums Beginnen. Um kleine Schritte, mit Stolz, mit Humor. Und mit dem Wissen: es wird vielleicht nicht alles gut, aber es wird echter und ehrlicher.
Wenn ich heute Serien schaue, dann oft nicht nur zur Ablenkung, natürlich schon auch. Aber vor allem glaube ich schaue ich so gerne Serien und Filme, und auch auf Bücher trifft das zu, weil ich darin ein Stück von mir erkenne. Und wenn ich etwas von mir selbst in einer Serie finde, dann ist das als würde mir jemand sagen: du bist nicht allein. Und: fang ruhig nochmal von vorne an. Es lohnt sich.