Theater: "Die schlimmen Buben von der Schule"

Theater: "Die schlimmen Buben von der Schule"

Ein Stück mit einem Titel, der nach seichtem Schabernack klingt. Man erwartet eine harmlose Komödie, ein bisschen Unsinn, vielleicht ein paar Kostümwitze. Und das ist auch da. Aber nicht nur.

Die Schule lässt Johann Nestroy in diesem Stück zum Spiegel werden; für Macht, Anpassung, Widerstand. Erwachsene, die nur mit sich selbst beschäftigt sind. Kinder, die funktionieren sollen; oder eben eigentlich nicht. Und mittendrin Stanislaus. Kein Held, eher ein Störfaktor. Einer, der nicht einfach mitmacht. Der nicht laut rebelliert, aber sich auch nicht beugt.

Mich hat das berührt. Schon damals, als ich das Stück als Kind gelesen habe, und heute wieder, wo es erneut in mein Leben tritt. Weil es still ist, was da passiert. Und weil es so gut in eine Zeit passt, in der Leistung, Ordnung und Disziplin teilweise blind als gesellschaftliche Ideale gefeiert werden, auch wenn wir sie eventuell anders benennen.

In der siebten Szene sagt Stanislaus: "Ich möcht’ ausg’stoßen werd’n!"

Für mich ist das kein Ausdruck von nur Trotz, sondern auch von Freiheit. Eine stille Form der Selbstbestimmung.

Die meisten wünschen sich Zugehörigkeit, ich selbst wünsche mir das auch. Aber ich glaube Stanislaus meint: Wenn dazugehören heißt, sich zu sehr zu verbiegen, dann lieber nicht immer dazugehören. Dann lieber echt bleiben, auch wenn es leiser ist. Und ich glaube, dass für jeden, der echt bleibt oder vielleicht zu spät im erwachsenen Leben echt wird, es irgendwo einen Platz gibt. Vielleicht findet man Menschen auch wieder, ein bisschen weiter, ein bisschen klarer, ein wenig offener.