Ruhe in der leeren Hand

Ruhe in der leeren Hand

Das Handy wegzulegen ist nicht das Schwierige. Viel entscheidender ist der bewusste Umgang mit dem, was einen täglich umgibt. Geräte, die fast ständig bei einem sind erzeugen eine Art Grundrauschen, und mit ihnen die kleinen Ablenkungen, die man irgendwann gar nicht mehr als solche wahrnimmt.

Benachrichtigungen zum Beispiel. Viele davon sind buchstäblich egal. Und trotzdem schaut man hin. Ein kurzer Blick, der selten etwas bringt, aber doch etwas nimmt: Fokus, Zeit, Ruhe. Ich habe lange gebraucht, um zu merken, dass die ständige Reaktion auf Dinge nicht dasselbe ist wie Präsenz.

Natürlich gibt es Situationen, in denen Erreichbarkeit wichtig ist. Beruflich. Familiär. Aber für mich ist klar geworden: es macht einen Unterschied ob ich erreichbar bin, oder ob ich mich pausenlos erreichbar fühle. Diese Entscheidung möchte ich nicht mehr dem Zufall überlassen.

Ich habe kein Social Media mehr, seit fast zehn Jahren. Nur noch LinkedIn und einen anonymen (für die ganz Korrekten: pseudonymen) Reddit-Account. Das reicht mir. Manchmal vergesse ich sogar, dass ich früher dauernd auf diesen anderen Plattformen war. Es fehlt mir nichts. Im Gegenteil.

Was sich verändert hat: ich greife morgens nicht mehr automatisch sofort zum Handy. Auch nicht heimlich zwischendurch. Nicht aus Prinzip. Sondern weil ich gemerkt habe, dass diese Momente mir guttun. Sie gehören mir, und ich kann mit ihnen machen was ich will.

Seitdem gelingt es mir besser mich zu kümmern. Um mich selbst. Um andere. Um das, was mir wirklich wichtig ist. Nicht immer. Aber öfter. Und das genügt mir.

Ich bin noch lange nicht dort wo ich hinmöchte. Aber ich wusste schon vor Jahren, dass ein bewusster, achtsamer Umgang mit dem Digitalen für mich entscheidend ist.

Spannend finde ich dabei auch, wie sich der Zugang zu Technologie verändert: Immer mehr reduziert sich das sichtbare "Interface" - weniger Knöpfe, weniger Menüs, weniger Ablenkung. Im besten Fall bleibt nur noch ein Gespräch. Mit einer künstlichen Intelligenz vielleicht, oder mit sich selbst. Aber das ist ein ganz anderes, sehr großes Thema, und keines, das ich hier direkt aufmachen will.

Wie wir mit digitalen Dingen umgehen, das bleibt am Ende eine persönliche Entscheidung.

Nur eines scheint mir klar: Kindern den Umgang beizubringen ist essentiell.

Und: Jeder Mensch hat andere Reizschwellen. Ich beneide ehrlich jene, die ständig erreichbar sind, dabei denke ich insbesondere an "soziale" Medien, dauernd Inputs bekommen, und nicht darunter leiden. Es ist okay. Alles hat Platz. Aber etwas zu hinterfragen heißt nicht gleich, es abzulehnen. Manchmal geht es einfach nur darum, sich selbst, die begrenzte Lebenszeit, die man hat, vielleicht ein Stück mehr ernst zu nehmen, auch digital.