Plastikpflanzen
Es gibt Dinge, die sind einfach da. Seit Jahren. Jahrzehnten vielleicht. In Kisten, in Schachteln, in Gedanken. Nie ganz vergessen, aber auch nie wirklich angeschaut.
Ein alter Schlüssel. Eine Eintrittskarte. Ein Notizheft mit drei Sätzen darin. Man hebt sie auf, weil man glaubt, sie könnten noch etwas erzählen. Oder erinnern. Oder einfach nur dazugehören.
Aber irgendwann stellt sich die Frage: Wozu eigentlich?
Nicht alles, was man einmal gebraucht hat, braucht man noch. Und nicht alles, was einen früher berührt hat, muss für immer bleiben.
Ich hatte einmal viele Plastikpflanzen. Keine Ahnung, was ich mir davon erwartet habe. Vielleicht eine Illusion von Leben, ohne das Unberechenbare, das dazugehört. Jetzt stehen echte Pflanzen am Fensterbrett. Ich habe keinen grünen Daumen – aber ich gieße. Ich schneide zurück. Ich beobachte.Nicht jede Pflanze wächst. Aber das ist nicht schlimm. Es geht nicht um Perfektion, sondern ums Dabeisein. Darum, sich einzulassen.
Loslassen ist keine Ablehnung der Vergangenheit. Es ist ein behutsames Sortieren: Was war wichtig, und ist es noch? Was war einmal, und darf jetzt gehen?
Ich stelle mir diese Fragen nicht laut. Eher leise an mich selbst. Und manchmal genügt das schon, um Klarheit zu schaffen. Nicht für immer – aber für jetzt.