Ordnung im Alltag

Ordnung im Alltag

“Papierkram“, bzw. im weiteren Sinne wohl Bürokratie, ist mein natürlicher Feind. Ich habe Mitgefühl mit allen, die in der Arbeit “auf den letzten Drücker ihre Zeiten eintragen“ müssen, bzw. es hinauszögern bis die Deadline unmittelbar bevorsteht; ich bin einer von ihnen. Trotzdem habe ich ein paar Dinge gelernt. Ordnung muss nicht perfekt sein. Aber sie hilft, damit das Leben diesbezüglich weniger zerrt.

In meiner kleinen Wohnung hat fast alles seinen Platz. Das klingt spießig, ist aber sehr praktisch. Besonders, wenn man Kinder hat. Zum Beispiel banal: leere Blätter – weiß und bunt – zum Zeichnen und Basteln liegen in einer bestimmten Schublade. Die Kinder wissen das. Es ist kein großes Ding. Aber es ist schön, wenn sie einfach greifen können, was sie gerade brauchen. Ein dezidierter Platz für Kreativitätsquellenvorrat, wenn man es schicker - oder wohin ich leider manchmal tendiere: komplizierter - ausdrücken will.

Neben meinem kleinen Arbeitsbereich gibt es einen fixen Ort für Post, Rechnungen, Behördensachen. Ich lasse die “Zettel”, dieses lieblose Wort spiegelt meine Lieblosigkeit dafür wider, nicht lange liegen. Meistens scanne ich sie zeitnah, sortiere sie digital. Das System ist nicht ausgefeilt, aber es funktioniert, und der Platz bleibt dadurch oft leer. Allein das macht einen Unterschied.

Dass mich äußeres, materielles Chaos innerlich aus dem Gleichgewicht bringen kann, habe ich das erste Mal auf einer Dienstreise gespürt. Damals war ich noch im Sales- und Service-Bereich für Apple Hard- und Software tätig, was über 15 Jahre zurückliegt. Wochenlang im Hotelzimmer. Wenig Besitz, wie es halt so ist auf Reisen, aber alles da. Und es hat gereicht. Es war ruhig. Vielleicht hat da etwas angefangen.

Ich mag Übersicht. Klarheit. Und ja, auch Ästhetik. Der Übergang zwischen Ordnung, Schönheit und Funktion ist schmal. Aber wenn ich ihn treffe, entsteht etwas, das mich wirklich entlastet. Nicht weil ich dann alles 100 % im Griff habe, sondern weil ich weniger tragen muss.