Jene ohne Bühne
Du hörst die lautesten Stimmen. Sie reden von Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Hürden. Manchmal klingt es, als hätten sie sie alle allein überwunden; zwischen zwei Cappuccinos und einem LinkedIn-Post.
Es gibt Hürden, die man sehen will, und Hürden, die man lieber ignoriert. Die Herkunft ist eine davon. Wo und in welchem Umfeld du geboren wirst, entscheidet, ob dein Leben ein Sprint wird, oder ein Hindernisparcours mit kaputten Schuhen.
In Österreich reden wir gern von Chancen. Als wären sie gleich verteilt. Wir zeigen auf den einen, der es "geschafft" hat, und klopfen uns auf die Schulter. So einfach kann Gerechtigkeit sein; wenn man sie nur in Einzelfällen misst.
Rechte Politik - und ganz klar zähle ich dazu auch Parteien und Gemeinschaften, die sich als *sehr konservativ* bezeichnen, nicht bloß die offensichtlichen Nachkömmlinge der Nazis - liebt klare Feindbilder. Die Fleißigen und die Faulen. Die Guten und die Bösen. Es passt perfekt in einen Wahlspot. Nur leider nicht zur Realität. Die ist komplizierter. Und weniger glatt.
Vielleicht sollten wir uns weniger fragen, wer schon wieder in einer Talkshow sitzt, und mehr, wer dort nie eingeladen wird. Vielleicht zählt nicht wie viele Frauen im Vorstand sind, sondern wie viele Menschen überhaupt die Zeit, das Geld und die Unterstützung hatten, diesen Weg zu gehen.
Es geht nicht darum, einen Kampf gegen einen anderen auszuspielen. Es geht darum, ehrlich zu sein. Zu sehen, dass Herkunft, Geld, Bildung und Beziehungen leiser, aber härter zuschlagen als jede Schlagzeile.
Die Wahrheit ist unbequem. Wer es gemütlich will, erfindet sich eine andere.