Innere Räume
Ich habe lange - zu lange - gedacht, dass es reicht, wenn im Außen Ordnung herrscht. Wenn die Küche aufgeräumt ist. Wenn die Wäsche erledigt ist. Wenn die Wohnung nicht überläuft. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass Dinge auch in mir überlaufen können. Nicht immer auf einmal. Eher schleichend.
Gedanken, die sich wiederholen. Worte, die ich gesagt oder nie gesagt habe. Urteile, die nicht meine sind, aber klingen, als wären sie es. All das braucht Platz. Und nimmt ihn sich.
Ich habe irgendwann begonnen mir das Innere wie ein paar Räume vorzustellen. Nicht perfekt definiert. Eher wie Stimmungen. Einer, in dem Dinge liegen, die ich übernommen habe, von anderen, von früher. Einer, in dem alles liegt, was zu viel ist. Und einer, in dem das ist, was mir wirklich wichtig ist.
Ich weiß nicht immer, was wohin gehört. Manches liegt quer über allem. Manches taucht plötzlich wieder auf, obwohl ich dachte, ich hätte es schon aussortiert.
Aber ich merke: schon die Vorstellung diese Räume zu unterscheiden, tut mir gut. Sie hilft mir nicht alles in die selbe "Kiste" zu werfen. Nicht alles sofort wegräumen zu wollen. Manche Dinge brauchen eine Weile, bis man weiß, was man mit ihnen tun will.
Ich schreibe das, ohne genau zu wissen, wie viel ich sagen möchte. Vielleicht ist das der erste Schritt: nicht das Sortieren selbst, sondern das Hinsehen. Das Anerkennen, dass da etwas ist. Und dass es Platz braucht, bevor es sich ordnen kann.