Ed Sheeran hat kein WhatsApp
Seine Songs höre ich weder oft, noch prägen sie meinen Alltag. Aber manchmal höre ich ihm zu; in Interviews, in Gesprächen, und bleibe hängen. In einer Podcast-Episode, die ich zufällig entdeckt habe, spricht er über vieles, das mir gefallen hat.
Das Vatersein, seine Haltung zu Ruhm, den Umgang mit Erfolg. Auch über ein Detail, das beinahe banal wirkt und doch aufhorchen lässt. Er kommuniziert ausschließlich per E-Mail. Keine Messenger. Kein WhatsApp. Kein ständiges Pingen. Wer ihn erreichen will, muss ihm auf diesem Weg schreiben.
Das klingt wie eine Nebensache. In Wahrheit ist es ein Statement. E-Mail wirkt heute fast altmodisch, aus der Zeit gefallen. Aber gerade deshalb entfaltet sie Kraft. Sie erlaubt Distanz. Zeit. Kontrolle über den eigenen Rhythmus. In einer Welt, in der Dauererreichbarkeit selbstverständlich geworden ist, ist diese Haltung fast subversiv.
Vielleicht passt es genau deshalb zu ihm und macht ihn eben so sympathisch. Er ist kein Popstar, der sich über makelloses Auftreten definiert. Kein Posterboy, sondern jemand, der über sich selbst lachen kann. Einer, der offen zugibt, dass sein Aussehen nie seine Eintrittskarte war. Der betont, dass Familie und wie er aufgewachsen ist immer wichtiger war als jede weitere Million. Der sich mit Ipswich Town identifiziert und dort investiert hat, obwohl sportlicher Erfolg dort seit Jahren ausbleibt. Und funnily enough ist er nun sogar im Kader des aus der Premier League abgestiegenen Clubs. Zugleich pflegt er eine Verbindung zu The National, meiner absoluten Lieblingsband. Da berühren sich immer wieder Welten in seinem Leben, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören, und genau deshalb spannend sind.
[Live 2023] Ed Sheeran & Aaron Dessner (Mitglied von "The National" und Musikproduzent (zB Taylor Swift)
Ein Künstler im Zentrum einer Industrie, die auf Beschleunigung und Reichweite programmiert ist; und der sich weigert, dieses Spiel in jeder Hinsicht mitzuspielen. Nur E-Mail. Keine Dauerverfügbarkeit. Keine permanente Ablenkung.
Darin steckt eine stille Provokation; so sehr du mich auch erreichen willst, du wirst es nicht *sofort* tun. Ich bestimme den Takt.
Und vielleicht liegt darin die eigentliche Botschaft. Dass Reduktion nicht Verlust bedeutet, sondern ein Stück Freiheit. Manchmal genügt halt eine E-Mail. Da überlegst du dir 3mal ob die Nachricht nun wirklich relevant ist und ob du sie abschicken "musst".