Dinge am Rand

Es fängt oft klein an. Eine Schublade. Ein Regalbrett. Ein einzelner Haken an der Wand, an dem seit Monaten dieselbe Tasche hängt. Ich habe irgendwann gemerkt, dass diese kleinen Orte, die nicht im Zentrum des Raums, sondern eben eher am Rande, versteckt, ihr Dasein dahinfristen, eigentlich keine Orte sind - sondern Zustände. Und der Zustand heißt: Ich weiß grad nicht, wohin damit.

Schubladen zum Beispiel. Ich mag sie eigentlich. Sie sind wie Sätze ohne Punkt. Aber sie sind gefährlich. Sie geben einem das Gefühl, man hätte etwas "weggeräumt“, dabei hat man es nur verschoben. Aus dem Blick, aber nicht aus dem Kopf. Zumindest ist das bei mir so, wobei mein Kopf halt etwas komisch ist.

Ich habe viele Dinge in Schubladen gelegt, obwohl ich wusste, dass ich sie eigentlich nicht mehr brauche. Nicht weil ich mir etwas vormachen wollte, sondern weil ich die Entscheidung vertagt habe. Zwischenablage klingt technisch - aber es ist ein sehr menschlicher Reflex.

Und irgendwann ist die Schublade dann voll. Nicht mit Dingen, sondern mit Unentschiedenheit.

Wenn ich es geschafft habe mich trotzdem zu "bewegen"/mich zu entscheiden - auch wenn’s nur eine Lade war oder ein kleines Fach - dann war das nie spektakulär. Aber es hat etwas verändert. Es war nicht "jetzt ist alles anders“, sondern eher ein leises Weiter. Wie ein Schritt im Nebel.

Ich habe gelernt, dass ich mich über solche Momente ruhig freuen darf. Nicht laut. Aber mit mir selbst. Ein Tee an einem Ort, an dem ich ihn gern trinke. Ein Abend, an dem ich nichts mehr tun muss. Kein Wellness-Tag. Nur ein stilles Nicken. "Gut gemacht" zu mir selbst quasi.

Wenn das Ziel eine Art von Leichtigkeit ist, dann ist der Weg dorthin nichts Großes. Kein heroischer Umbau. Sondern manchmal einfach nur: eine Lade, die plötzlich leer ist.