Die zwei schönsten Parks von Wien

Die zwei schönsten Parks von Wien

Vielleicht ist es banal, die zwei schönsten Parks Wiens zu nennen, und doch: für mich sind es der Währinger Park und der Türkenschanzpark. Nicht, weil sie objektiv die schönsten wären. Sondern weil ich mittlerweile hier lebe, und weil sie zu meinem Alltag gehören.

Ich habe in diesem Sommer vieles wiederentdeckt. Laufen. Fahrradfahren. Basketball. Fußball, es gibt einen tollen Trainingsplatz unmittelbar im Park, auf dem viele Hobby-Gruppen regelmäßig spielen. Ein wenig Skateboard, fast schon midlife-crisis-kompatibel. Und vor allem die Freude einfach im Grünen zu sitzen. Zu lesen, zu schreiben, in der Mittagspause etwas zu essen. Parks sind Orte, an denen man beides kann: zur Ruhe kommen und zugleich mitten im Leben sein.

Das Leben dort ist vielfältig. Eichhörnchen in allen Farben huschen durchs Gras. Kinder rennen, schreien, fallen und stehen wieder auf. Junge Erwachsene feiern Hipster-Partys, ein paar Obdachlose wohnen hier und trinken Sangria aus Plastikflaschen. Es ist nicht geschönt, nicht glatt, sondern eine ehrliche Mischung.

Und dann ist da die Kultur, die sich leise einmischt. Beim Vorbeilaufen im Türkenschanzpark bleibe ich oft an Arthur Schnitzlers Büste hängen; zumindest innerlich. Ich denke an seine Stücke, an Baden bei Wien, an die Verfilmung seiner Traumnovelle von Stanley Kubrick.

Nebenbei gibt es auch diese kleinen Eigenheiten, die mir einmal aufgefallen sind. Eine Runde Währinger Park ist ziemlich genau ein Kilometer. Eine Runde Türkenschanzpark ziemlich genau 1,5 km. Die Strecke zwischen den beiden: ebenfalls ziemlich genau ein Kilometer. So lässt sich das Subjektive mit Zahlen untermalen, auch wenn es dafür keinen echten Grund braucht. Vielleicht gefällt mir das deshalb, weil es eine kleine Ordnung im Chaos ist. Zahlen, die sich von selbst ergeben.

Und vielleicht steckt genau darin das Spannende. Öffentlicher Raum ist mehr als Rasen und Bänke. Er ist eine Bühne, auf der Gesellschaft sich selbst zeigt. Das Unbeschwerte der Kinder, die Abgründe des Alkohols, das Streben nach Gemeinschaft, das Schweigen derer, die für sich bleiben wollen. All das existiert nebeneinander, ohne dass jemand die Regeln schreibt. Manchmal chaotisch, manchmal friedlich. Ein Spiegel dessen, wie Leben funktioniert.

Ich weiß, es gibt größere Parks, berühmtere Gärten, eindrucksvollere Orte in Wien und auf der Welt. Aber für mich reicht das hier. Diese beiden Parks sind genug. Sie sind Erinnerung und Alltag, Ruhe und Bewegung zugleich. Und das macht sie, zumindest für mich, zu den schönsten. Vielleicht, weil sie mir zeigen, dass es manchmal nicht mehr braucht und dass das Leben okay so ist.