Das Schlimmste

Das Schlimmste

Kurz vor Weihnachten.

Ich in der Küche, höre vom Wohnzimmer vertraute Geräusche, nichts Dringendes.

Dann ein Laut. Kein Schrei, kein Rufen; eher ein Bruch in der Luft. Ich gehe, laufe dann.

Er sitzt im Hochstuhl. Sein Kopf hängt nach vorne, als hätte ihn etwas von innen ausgeschaltet.

Ihre Stimme, schrill, ungeordnet.

Die Tochter starrt, regungslos, die Hände unter dem Tisch.

Ich hebe ihn hoch. Warm, aber schlaff.

Die Augen geschlossen. Kein Blick, kein Ton.

Ich greife in seinen Mund, falsch, verzweifelt. Suche nach etwas, das nicht da ist.

In mir dieser Gedanke, dass es nicht wahr sein kann, dass er einfach aufhört.

Ich liebe ihn. Ich will handeln, aber alles fühlt sich falsch an.

Ihre Schreie, ihre Panik, die Stille der Tochter; alles gleichzeitig zu laut und zu leise.

Die Sekunden dehnen sich, als wollten sie nicht vergehen.

Ich bin mir nicht sicher ob er atmet.

Ich halte ihn fest, zu fest vielleicht. Als könnte Nähe allein etwas richten.

In mir wechseln sich zwei Stimmen ab: Tu etwas.; Es ist schon zu spät.

Dann ein Zucken. Ein Atemzug, holprig, unruhig.

Er kommt zurück.

Später: ein Arzt, ein nüchterner Satz.

Fieberkrampf.

Ein Wort, das man nicht kennt, bis man es erlebt.

Und wenn man es kennt, will man es nie wieder erleben.