Das Bücherregal und ich

Das Bücherregal und ich

Ich liebe Bücher. Ich liebe Geschichten.

Als Kind bin ich oft in Buchwelten abgetaucht; nicht immer aus Abenteuerlust, sondern weil dort einfach Ruhe war. Ich erinnere mich noch genau daran wie ich neue Bände von Harry Potter verschlungen habe. Seite um Seite, manchmal bis spät in die Nacht. Es war weniger simples Lesen, mehr eine Art Verschwinden.

Diese Liebe ist geblieben. Aber das Regal ist gewachsen. Und irgendwann wurde es nicht nur ein Regal, sondern eine Wand. Und dann ein Gewicht. Nicht emotional, sondern physisch.

Ich habe angefangen Bücher zu hinterfragen. Nicht *ob* ich sie liebe, sondern *welche*. Manche Bücher bedeuten mir etwas. Andere nicht mehr. Und einige haben mir wahrscheinlich nie etwas bedeutet; außer in den Momenten, in denen ich sie gelesen habe. Das ist okay.

Es ist kein Verrat, sich von einem Buch zu trennen, das man "halt gelesen“ hat. Man muss nicht alles aufheben, was man konsumiert hat. Und nicht jede Geschichte bleibt. Manche darf man auch gehen lassen.

Kinderbücher aber, die behalte ich. Nicht für mich, sondern für sie. Kinder müssen erst herausfinden, was sie mögen. Und sie brauchen jemanden, der ihnen dabei hilft. Ein volles Regal kann ein offenes Fenster sein. Deshalb ist ein Besuch in der Bücherei mit Kindern auch etwas Besonderes. Weil man dort gemeinsam staunen darf, ohne besitzen zu müssen.

Ich sortiere mein Regal inzwischen regelmäßig aus. Nicht radikal, nicht systematisch. Aber mit der Frage: Was davon begleitet mich noch? Und was steht da bloß, weil es immer schon dort stand?

Was bleibt, darf bleiben. Der Rest geht; leise, ohne Drama.

Denn es sind Geschichten. Und Geschichten dürfen weiterziehen.