Alte Hose, neue Zeit

Alte Hose, neue Zeit

Eine Lederhose. Nicht neu gekauft, nicht auf (mein) Maß geschneidert. Alt. Schon viele Jahrzehnte getragen, bevor sie zu mir kam. In einer Zeit, die ich im grünen Teil Österreichs verbracht habe, und in der ich viel über mich und mein Leben nachgedacht und verarbeitet habe.

Früher war sie Alltag, vor allem am Land. Ein Stück Kleidung, das halten musste. Und das man nie gewaschen hat. Leder wird nicht gewaschen, es wird getragen. Es nimmt das Leben auf, den Schweiß, den Schmutz, die Arbeit. Letzteres zwar im Stadtleben nicht so, aber ursprünglich halt. Das gefällt mir. Wenig Aufwand, wenig Vorsicht. Einfach anziehen und machen.

Wenn ich meine Hose trage, ist es egal, was ich dazu kombiniere. Manchmal ein Hemd, manchmal ein schlichtes T-Shirt. Manchmal fast absichtlich unpassend. Ich mag, dass sie nicht nur im Festzelt existiert, nicht nur als Trachtenuniform. Sie ist ein Kleidungsstück, das für sich selbst stehen darf.

Für viele Menschen hat die Lederhose etwas Patriotisches, fast Politisches. Ich verstehe das mittlerweile (früher habe ich das weniger verstanden), auch wenn es für mich nicht so ist. Für mich ist sie Erinnerung, und gleichzeitig eine Art Freiheit; nicht aufpassen müssen, nicht vorsichtig sein, sich nicht von Etikette lenken lassen.

Vielleicht passt sie deshalb persönlich für mich so gut zu meinem Gedanken von Minimalismus. Wenige Dinge, dafür welche, die bleiben. Langlebig, unzerstörbar fast. Eine Hose, die auch noch eine Generation später tragbar wäre. Vielleicht zieht eines Tages mein Sohn diese Hose an. Nicht aus Tradition, nicht aus Pflicht. Sondern einfach, weil sie da ist und mit Erinnerungen verbunden ist.